Menü

Der Klassenlehrer

Der Klassenlehrer begleitet die Schüler durch 8 Schuljahre im Hauptunterricht. In dieser Zeit entsteht eine feste Bindung zwischen Lehrer und Schülern, die das gegenseitige Vertrauen fördert.

juergen-druecker Bei jeder Klasse fange ich wieder neu an

Mit 14 Jahren weiß Jürgen Drücker genau was er werden will: Lehrer. Und das, obwohl er keine guten Vorbilder gehabt hat. „Meine Lehrer waren durch ihre Kriegserlebnisse stark geprägt" sagt Jürgen Drücker und bedauert, dass er in seiner ganzen Schulzeit kein einziges Lied gesungen hat. Sein schönster Schultag war der letzte, kein guter Start für die eigene Lehrerkariere.

Dennoch hat Jürgen Drücker seine Berufung zum Beruf gemacht. Etwas, so scheint es, was nur wenigen Menschen vergönnt ist.

Nein, sagt Jürgen Drücker, denn jeder Mensch kommt mit einer ganz besonderen Bestimmung auf die Welt und hat die Aufgabe, diese auszubilden. Oder frei nach Rudolf Steiner: „Der Mensch ist ein Erdenwesen mit einem sich selbst gestellten geistigen Auftrag." Nach diesem Grundsatz sieht Jürgen Drücker seine Aufgabe als Lehrer darin, in den Schülern das zu entfalten, was an verborgen Fähigkeiten in ihnen schlummert. Der Unterrichtsstoff ist dabei Mittel zum Zweck, an ihm soll sich die Individualität eines jeden Schülers entwickeln.

Gerade war der Weg zu einem der Gründungslehrer der Freien Waldorfschule Hildesheim auch für Jürgen Drücker nicht. Nach dem Studium in den Fächern Mathematik und Sport an der pädagogischen Hochschule in Heidelberg stand Jürgen Drücker vor einer Weichenstellung in seinem Leben. In letzter Minute sagte er aus einem Bauchgefühl die Anstellung bei einem Touristikunternehmen im damaligen Jugoslawien ab und trug sich kurze Zeit später in der neu gegründeten Freien Hochschule für anthroposophische Pädagogik in Mannheim ein, von der er durch Zufall gehört hatte.

Heute ist er Waldorflehrer durch und durch und Klassenlehrer in seinem letzen Zyklus. Denn die neue erste Klasse, die Jürgen Drücker übernehmen wird, ist zugleich die letzte Klasse, die er als Klassenlehrer begleiten darf. Der Abschied von seinem Beruf wird ihm einmal schwer fallen. Doch noch ist es nicht so weit. „Bei jeder neuen Klasse", so Jürgen Drücker, „fange ich wieder neu an". Das erklärt sicherlich auch die Frische und Freude, mit der der erfahrene Lehrer immer wieder seinen Unterricht gestaltet. Das tägliche Musizieren mit seinen Schülern ist ihm dabei selbst eine große Freude.

Abstand vom Schulalltag gewinnt Jürgen Drücker in Schweden, wo er mit seiner Familie jeden Urlaub verbringt. Hier findet er die Ruhe in der Natur und befährt als begeisterter Paddler die weiten Seen des Landes. Überhaupt spielt Sport eine große Rolle in Jürgen Drückers Leben. Er kommt aus einer fliegerbegeisterten Familie und verdankt der Segel – und Hängegleiterfliegerei lebensprägende Erlebnisse in seinem Jugendalter. Auch das Skilaufen hatte es ihm angetan und so erlangte er seine ersten pädagogischen Erfahrungen als Begleiter von Skifreizeiten. Diese Aktivitäten waren später mit Wohnort und Beruf nicht mehr zu vereinbaren.

Dann gibt es da noch die Liebe zur Gitarre. Jürgen Drücker spielt sehr gerne, ist hier mal wieder selber Schüler und sammelt Gitarren. Ein Vorbild ist ihm der Gitarrenbauer C. F. Martin, der im 19. Jahrhundert seine vorbildliche Begabung in seiner sächsischen Heimat wegen der Zunftgesetze nicht ausüben durfte. Dieser wanderte kurzerhand nach Amerika aus und entwickelte sich dort zu einem der besten Gitarrenbauer der Welt. Auch Jürgen Drücker leidet unter „gesellschaftlicher Verbohrtheit", die ihm immer wieder Ansporn ist, nach neuen Wegen zu suchen.

Von besonderer Bedeutung ist für Jürgen Drücker die Beziehung zu seiner Frau, die auch an der Waldorfschule Hildesheim unterrichtet. „Die Arbeit für ein gemeinsames Ideal verbindet uns über das Alltägliche hinaus."

zurück

 

Jahresplaner 2017/18

Nach oben ↑